Montag, 16. April 2012

Nachlese

Beim gemütlichen Samstagnachmittag im Café mit Latte Macchiato und Kuchen stelle ich fest, dass die Presse bereits auf unser Seminar reagiert und sich bemüht thematisch mitzuhalten. Selbst das Wirtschaftsmagazin Brand eins (Schwerpunktthema Kapitalismus!) widmet sich in einem Artikel dem Phänomen der "Downshifter", also Menschen, die einen Gang herunterschalten wollen, ohne gleich ganz auszusteigen. Weniger Arbeit, mehr Lebensqualität. Dazu gibt es ganz interessante Zahlen aus dem europäischen Vergleich: 50% der arbeitenden Menschen in Deutschland träumen von einer Auszeit, einem Sabbatical, aber nur 1% macht es. Auf die Frage "Planen Sie, Arbeitszeit zu reduzieren?" antworten in Deutschland nur 8,3% mit "ja" oder "vielleicht", während es in Großbritannien oder den Niederlanden fast ein Drittel sind. Weniger Geld für weniger Arbeit würden in Großbritannien, den Niederlanden oder Frankreich 17-19% der Arbeitnehmer in Kauf nehmen, in Deutschland nur 9%.

Die taz vom Wochenende widmet sich gar ganz dem "guten Leben", passend zum tazlab, das am Wochenende in Berlin stattfand. Da wird über Stadtgärtnern, politische Psychologie ("Sich mehr Gedanken zu machen als andere macht nicht unbedingt glücklicher"), das merkwürdige Verhalten von Konsumenten ("Die meisten Kunden denken zu wenig") oder die Reiselust der "Globetrottel" geschrieben. Der englische Kultautor Tom Hodgkinson wird interviewt ("Lohnarbeit ist Sklaverei"), der seit 1993 die Zeitschrift The Idler (Der Müßiggänger) herausgibt, den vielbeachteten Bestseller Anleitung zum Müßiggang (2004) geschrieben und nun in London auch noch eine Idler Academy gegründet hat. Wenn er da mal noch Zeit für die Muße findet!

Dabei ist doch für das gelingende Leben das tiefe Einlassen, die "Resonanzerfahrung" wichtig, wie der Soziologe Hartmut Rosa auf der nebenstehenden Seite betont ("In der Tiefe berühren"). Nicht die Quantität der Erfahrungen, egal ob mit Freunden, beim Reisen, in der Natur oder mit der Kunst sei das Entscheidende, sondern die Qualität der Erfahrung. Aber um sich von etwas berühren zu lassen, braucht man Zeit.

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